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Seite 1 von 14 PressemitteilungenPressemitteilung vom 20.01.2009Pilgern am Niederrhein - Auszug aus "Kult", Ausgabe 2/2008 April/Mai 2008, Autorin: Beate SchindlerIm Frühling stehen die Zeichen auf Erneuerung - Natur, Körper, Geist, ein Durchatmen für die Seele - vielleicht mit einer Wallfahrt - auch, wenn es nicht nur beschaulich zugehtDie Verehrung von Heiligen, Heilssuche, Selbstfindung, spirituelle Erfahrung oder einfach mal "die Seele baumeln lassen" - Wallfahren als kontemplative Ergänzung in säkularisierten Zeiten mit vollen Terminplänen - kein Widerspruch! Am Niederrhein hatte Wallfahren jedoch immer Konjunktur und dies nicht erst nach Hape Kerkelings medienwirksam verabeiteten Erfahrungen auf dem Jakobsweg nach Santiago des Compostela. Wallfahren hat etwas mit Unterwegssein, in eine bestimmte Richtung ziehen und Ankommen zu tun - im Mittelalter vorrangig als Zeichen der Sühne - der Weg sollte, mit Qualen und Entbehrungen verbunden, helfen, Abbitte zu leisten und Erlösung zu finden. Jerusalem oder zumindest Rom waren die eigentlichen Ziele der frühen Christen. Für die meisten jedoch unerreichbar. Viele andere heilige Stätten übernahmen im Laufe der Jahrhunderte Stellvertreterfunktion. Was macht einen Ort zum Wallfahrtsort?: Heilige, die dort lebten oder beigesetzt sind, auch wundersame Dinge, die sich dort ereignet haben, bedeutsame Gotteszeichen, die diesen Ort auserwählt machen, an dem man sich als Teil einer höheren Ordnung fühlen kann. Viele dieser Orte existieren am katholisch geprägten Niederrhein - mit Jahrhunderte alter Tradidion oder brandneu. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Kevelaer durch eindeutige Gotteszeichen der Überlieferung nach 1641/42 zum Marienwallfahrtsort auserkoren, und dies hat der Stadt zu Ansehen und Wohlstand verholfen. Goch wurde mit Heiligsprechung von Arnold Janssen, dem Begründer des Steyler Ordens, der am 5. November 1837 hier geboren wurde, 2005 offiziell Wallfahrtsort und die Stadt an der Niers nennt sich nun Arnold Janssen-Stadt Goch. Arnold Janssen gilt als Wegbereiter des modernen Missionsgedankens und Vorreiter der Entwicklungshilfe. In Steyl bei Venlo gründete er 1875 den ersten deutschen Missionsorden. Heute zählt die Steyler Ordensfamilie mehr als 10.000 Mitglieder aus 65 Nationen. Zu den Pilgerstätten in Goch gehören unter anderen das Arnold Janssen-Geburtshaus, seine Taufkirche St. Maria-Magdalena sowie die 1981 erbaute St. Arnold-Janssen-Kirche. Das Haus wird als Gedenkstätte mit ursprünglichem Mobiliar und Museum mit Wechselausstellungen geführt, auch eine Bibliothek sowie einen Mediationsraum beherbergt das zweistöckige Gebäude am Gocher Markt. Der Missionar ist für die Gocher kein verklärter Heiliger, sondern vielmehr ein bedeutender Sohn der Stadt, mit einer präsenten Biografie und einem ganz irdischen Leben. Das Städtische Museum, kommunale Marketinggesellschaft sowie die 2007 gegründe Arnold-Janssen-Solidaritätsstiftung kümmern sich arbeitsteilig um das Erbe sowie um das notwendige Management des Pilgertourismus. Neben geführten Touren durch die Stadt kann der Besucher auch auf dem ursprünglichen Fußweg Arnold Janssens ins Kloster Steyl gelangen und vom 24. - 28. Juli lädt Goch zu Deutschlands erster Reisemobilwallfahrt. Im letzten Jahr besuchten ca. 18.000 Pilger den neuen Wallfahrtsort - eine Zuwachsrate im Vergleich zu 2005 um nahezu 200 Prozent! Das Klosterdorf Steyl, "der kleine Vatikan von Limburg", ist weltweit zum Synonym für die Ordensfamilie Arnold Janssens geworden. Obwohl Steyl immer regen Pilger-Zulauf hatte, ist hier nach der Heiligsprechung des Ordensgründers auch ein Aufwärtstrend spürbar. 17.000 Übernachtungen konnten im letzten Jahr verbucht werden. Die Pilger kommen von überall her, auch aus Übersee. "Die meisten unternehmen die Reise an die Maas aus spirituellen Gründen, darunter viele Ordensmitglieder, auch Klosterneugierige oder jene, die einfach die ruhige, besinnliche Atmosphäre in den Klosteranlagen genießen wollen", erläutert Ordensmitglied Bruder Roland Scheid. Ein wirkliches Kleinod unter den Pilgerstätten ist die Kapelle Klein-Jerusalem, nordöstlich von Willich-Neersen. Die, obwohl von Hauptverkehrsadern umgeben, abgeschieden gelegene weiß verputzte Backstein-Kapelle, ließ Pfarrer Gerhard Vynhoven in den Jahren 1655-60 nach seinen Reisen ins Heilige Land erbauen - für alle, die nicht nach Palästina pilgern konnten. Seine Idee war, eine möglichst getreue Nachbildung der Heiligen Stätten; Jerusalem an den Niederrhein zu holen. Das Bethaus ist ein einzigartiges Denkmal für Religions- und Kunstgeschichte sowie Volksfrömmigkeit. Über 28 Stufen der sog. Pilatusstiege gelangt man in den oberen Raum der Kapelle. Er wird von der aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Kreuzigungsgruppe und einem Modell des Heiligen Grabes (1661) aus Jerusalem dominiert. Die Unterkirche ist der Geburt Christi und den Ereignissen von Bethlehem gewidmet. Viele Krisenzeiten und Beschädigungen erlebte die Wallfahrtskirche und wurde in den Jahren 1979-82 renoviert. Seitdem existiert auch die Interessengemeinschaft Kapelle Klein-Jerusalem unter Brigitte Vander, die sich um die Belange der Kapelle und Pilger kümmert. 8.000 Menschen besuchten im letzten Jahr die kontemplative Stätte und viele Wunder sind dokumentiert. Jeden Freitag findet ein Gottesdienst statt, regelmäßige Pilgertouren gibt es am Himmelfahrtstag und Sternwallfahrten zur Fastenzeit. Ihr 700jähriges Wallfahrtsjubiläum feiert in diesem September die kleine Grenzstadt Kranenburg. Die Kreuzverehrung in Kranenburg beruht der Legende nach auf einem Sakramentenfrevel: Aus einer, 1280 in einen hohlen Baum gespuckten, Hostie konnte 28 Jahre später ein Christuskreuz aus Holz geborgen werden. Dieses wundersame Zeichen machte Kranenburg zum Wallfahrtsort der Eucharistie, des Kreuzopfers. Neben den Kommunen fördert die Tourismus GmbH Mittlerer Niederrhein mit speziellen Angeboten die Wallfahrt im Verbund. Touren von Goch nach Steyl und Kevelaer zu Fuß, per Rad, im Auto oder Bus - ebenso Routen über Kranenburg oder Marienbaum bei Xanten, dem ältesten Wallfahrtsort der Region, lassen sich dort buchen. Denn Pilgern hatte und hat auch immer etwas mit Tourismus und ganz wetlichen Freuden zu tun. |


